In aller Freundschaft am 11. Dezember 2025 um 07:40 Uhr auf WDR – TV Movie
Wenn Liebe Fernweh hat: „In aller Freundschaft“ schickt Lisas Herz auf Reisen 

Eine junge Liebe am Scheideweg, ein Flugticket ans andere Ende der Welt und dazwischen all die Fragen, die man mit 17 kaum beantworten kann: Die Doppelfolge von „In aller Freundschaft“, die am 11. Dezember 2025 um 07:40 Uhr im WDR zu sehen ist, legt den Fokus auf eine, die sonst oft nur „die Tochter von“ ist – und macht Lisa Heilmann zur Hauptfigur eines emotionalen Coming-of-Age-Dramas.
Der Stoff stammt aus dem Jahr 2019, wirkt aber heute aktueller denn je: Ein junger Mann will nach Chile gehen, träumt von Aufbruch und Freiheit. Zurück bleibt Lisa, zwischen Traurigkeit, Wut und der bangen Frage: Bedeutet Liebe, jemanden festzuhalten – oder ihn gehen zu lassen? Die Sachsenklinik wird in dieser Folge weniger zum Schauplatz spektakulärer Operationen als zu einem Resonanzraum für die ganz großen Themen des Erwachsenwerdens: Abschied, Verantwortung, der Mut, eigene Wege zu gehen.
Im Mittelpunkt steht ein Konflikt, der viele Familien anspricht: Während die Eltern, allen voran Dr. Roland Heilmann (Thomas Rühmann), versuchen, rational zu bleiben, bricht für Lisa ihre ganze Welt zusammen. Die Serie nutzt die vertrauten Figuren, um zu zeigen, wie unterschiedlich Generationen mit Entscheidungen umgehen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Dass es eine Doppelfolge ist, wirkt dabei wie ein erzählerisches Versprechen: Hier bekommt ein junges Gefühl den Raum, den es verdient – statt in wenigen Szenen am Rand abgehandelt zu werden. 
Lisa und Nils: Erste große Liebe, erster großer Abschied 
Im Zentrum der Handlung steht Lisa Schroth (Ella Zirzow), längst den Kinderschuhen entwachsen und mitten in der wohl heftigsten Gefühlsachterbahn ihres bisherigen Lebens. Ihr Freund Nils Winter (Paul Michael Stiehler) will nach Chile – nicht nur für ein paar Wochen Urlaub, sondern für längere Zeit. Für ihn ist es eine einmalige Chance, ein Abenteuer, vielleicht der Start in ein anderes Leben. Für Lisa ist es der drohende Verlust ihrer ersten großen Liebe.
Die Serie zeichnet diese Konstellation sensibel und ohne Kitsch:
- Nils ist kein egoistischer Ausreißer, sondern ein junger Mann mit Träumen.
- Lisa ist nicht nur die „verlassene Freundin“, sondern eine, die ihre Zukunft plötzlich neu denken muss.
Ihre Gespräche pendeln zwischen Hoffnung („Wir schaffen das schon“), Trotz („Dann geh doch!“) und der schmerzhaften Erkenntnis, dass Entfernung nicht nur eine Frage von Kilometern ist, sondern von Lebensentwürfen. Der geplante Abschied stellt unausgesprochen alles infrage:
- Kann eine junge Liebe eine Fernbeziehung über Kontinente hinweg überstehen?
- Darf man von jemandem verlangen, seine Träume aufzugeben – oder sich selbst „klein zu machen“, um niemanden zu verletzen?
In typisch „In aller Freundschaft“-Manier wird Lisas Liebeskummer nicht romantisiert, sondern ernst genommen. Ihre Traurigkeit schlägt sich im Alltag nieder, beeinflusst die Stimmung im Hause Heilmann und spiegelt, wie sehr Entscheidungen junger Menschen das Gefüge einer ganzen Familie verändern können.
Familie Heilmann: Zwischen Beschützen und Loslassen 
Wo Lisa steht, stehen Roland Heilmann und seine Kolleginnen und Freunde nur scheinbar im sicheren Hintergrund. In Wahrheit treffen Nils’ Pläne auch sie mitten ins Herz. Dr. Roland Heilmann, seit Jahren das moralische Rückgrat der Serie, steht vor einer uralten Elternfrage: Raten, bremsen, verbieten – oder vertrauen? Seine ärztliche Erfahrung lehrt ihn, wie fragil das Leben ist. Sein Vaterherz will verhindern, dass seine Tochter verletzt wird. Doch er weiß auch, dass man das Erwachsenwerden nicht im OP-Saal operieren kann.
An Rolands Seite: Dr. Kathrin Globisch (Andrea Kathrin Loewig) und Dr. Martin Stein (Bernhard Bettermann), die als Freunde, Kolleginnen und langjährige Weggefährten die familiäre und berufliche Ebene elegant verbinden. In der Sachsenklinik werden Pausengespräche plötzlich zu Beratungsstunden:
- Wie viel Ehrlichkeit verträgt eine 17-Jährige?
- Wann wird Fürsorge zur Bevormundung?
Parallel dazu halten die vertrauten Gesichter wie Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt), Dr. Philipp Brentano (Thomas Koch) und Arzu Ritter (Arzu Bazman) den Klinikalltag am Laufen – und liefern jene Mischung aus Professionalität und persönlicher Anteilnahme, die die Serie seit Jahren prägt. Gerade in einer Doppelfolge bleibt Raum, auch die Nebenfiguren als Spiegel für Lisas Konflikt zu nutzen: Die einen erinnern sich an eigene Jugendlieben, andere an verpasste Chancen, wieder andere daran, wie wichtig es war, damals tatsächlich losgegangen zu sein.
Die Heilmanns werden in dieser Episode so nahbar wie selten: eine Familie, die gewohnt ist, täglich Leben zu retten – und doch hilflos wirkt, wenn es darum geht, das Herz der eigenen Tochter vor Schmerz zu schützen.
Zwei Folgen Zeit für große Gefühle: Warum das Tempo hier anders tickt 
Bemerkenswert an dieser Ausstrahlung ist, dass TV Movie ausdrücklich von einer Doppelfolge spricht. Das veränderte Tempo merkt man der Erzählung an: Statt eines schnellen medizinischen Falls, der innerhalb von 45 Minuten komplett abgehandelt wird, erlaubt sich „In aller Freundschaft“ hier, atmen zu lassen – und zwar im emotionalen Sinn. Die 45 Minuten Sendezeit, produziert 2019 unter der Regie von Susanne Boeing nach einem Drehbuch von Anne Rabe, werden voll ausgeschöpft, um die vielen Schattierungen von Abschied, Angst und Aufbruch zu beleuchten.
Technisch ist die Folge klassische Sachsenklinik-Handwerkskunst:
- Kameraarbeit von Bernhard Wagner und Markus Rößler,
- produziert von einem großen Team um Rainer Männel, Jana Brandt, Michael Schmidl, Oliver Vogel, Franka Bauer, Jochen K. Franke, Sven Sund, Petra Mirus, Sven Miehe und Jochen Alexander Freydank.
Doch entscheidend ist, was diese Namen ermöglichen: ruhige Close-ups, in denen Lisa ringt, ob sie stark sein oder zusammenbrechen darf; dialoglastige Szenen, in denen Nils versucht zu erklären, warum er weg muss, ohne es als Flucht klingen zu lassen; familiäre Momente, in denen ein kurzer Blick mehr sagt als jede Rede.
Die Episode zeigt, wie sehr „In aller Freundschaft“ längst mehr ist als eine reine Arztserie. Sie nutzt das Genre, um Geschichten zu erzählen, in denen medizinische Notfälle oft nur der Rahmen sind. Der eigentliche Notfall findet hier im Inneren statt: Ein junges Mädchen muss entscheiden, wie sie sich selbst sieht – als Opfer einer Entscheidung, die andere getroffen haben, oder als jemand, der ihren eigenen Weg findet, auch wenn er anders aussieht als geplant.
Streaming, Wiedersehen, Wiedererkennen: Warum diese Folge nachhallt 

TV Movie verweist nicht zufällig darauf, dass man „In aller Freundschaft“ auch online streamen kann – etwa in der ARD Mediathek und teils bei Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime. Gerade solche emotional aufgeladenen Episoden erleben im Netz oft ein zweites Leben: als Wiedersehen für Fans, als Einstiegspunkt für Neulinge, als geteilte Szene in sozialen Netzwerken, wenn ein Dialogsatz genau den Nerv eines Publikums trifft, das selbst zwischen Fernweh und Bindung pendelt.
Diese Doppelfolge aus dem Jahr 2019, nun am 11.12.2025 im WDR wieder ausgestrahlt, gewinnt vor dem Hintergrund unserer Zeit zusätzlich an Schärfe: Eine Generation, die mit Auslandssemestern, Work-and-Travel und globaler Mobilität aufwächst, kennt den Konflikt zwischen Heimat und Horizonterweiterung nur zu gut. Viele Eltern sehen in Lisa ihre eigenen Kinder, viele junge Zuschauerinnen und Zuschauer in Nils ein Echo ihrer Auswanderungsfantasien – oder ihrer Angst, zurückzubleiben.
Am Ende bleibt eine stille Erkenntnis, die die Serie leise, aber klar formuliert: Liebe heißt nicht, jemanden festzubinden – sondern auszuhalten, dass der andere ein eigenes Leben hat. Manchmal führt das in dieselbe Stadt, manchmal auf einen anderen Kontinent. Und manchmal bleibt vorerst nur die Hoffnung, dass sich die Wege irgendwann wieder kreuzen.
„In aller Freundschaft“ zeigt in dieser Folge, warum sie seit so vielen Jahren ein Publikum bindet: weil sie große Gefühle nicht scheut, sie aber immer in Gesichter legt, die uns vertraut sind – und in Situationen, in denen wir uns selbst wiedererkennen, sei es im Wartezimmer, am Flughafen oder am Frühstückstisch, an dem plötzlich ein Flugticket nach Chile liegt.